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Heuscher / Kobel können eine positive Bilanz der vergangenen Saison ziehen. Der Gewinn des World Tour Grand Slam in Paris (mit einem überragenden Sieg gegen die Olympiasieger aus Brasilien Ricardo / Emanuel im Spiel um den Einzug in den Halbfinal) bedeutet den Höhepunkt der achten gemeinsamen Saison auf der World Tour. Dazu kommt der insgesamt fünfte Schweizermeistertitel, der vierte in Folge. HeuscherKobel gewinnen an Europameisterschaften in Moskau die Silbermedaille, ein grosser Erfolg, auch wenn der sicher geglaubte Sieg an die jungen Spanier Herrera / Mesa verloren ging. Beim Grand Slam in Stavanger (Nor) können Heuscher / Kobel mit dem Erreichen des dritten Platzes den zweiten Podestplatz der Saison verbuchen. Daneben finden sich in der Saisonbilanz drei sehr gute fünfte, ein siebter, zwei neunte Plätze, und ein 13. Platz. Die beiden 17. Plätze an der WM in Berlin und am Grand Slam von Klagenfurt bilden die beiden schlechtesten Platzierungen der diesjährigen Saison.
Das Jahr 2005 neigt sich seinem Ende zu. Es ist das Jahr 01 nach dem historischen Bronzemedaillengewinn an den Olympischen Spielen 2004 in Athen. Eine Saison, die von vielen als schwierige vorausgesagt wurde. Eure Saisonresultate liessen sich mit der Fahrt einer Achterbahn vergleichen. Fühlt ihr euch so, als kehrtet ihr von einer Achterbahn-Saison 2005 zurück?
Stefan Kobel: Ja, das ist gar nicht schlecht beschrieben. Es war eine schwierige und sehr unkonstante Saison!
Patrick Heuscher: Ja. Ist leider ein wenig so. Früher galten wir als das konstante Team.
Patrick Egger: Diese Saison war wirklich mit vielen ups and downs versehen!
Patrick Egger, welche Erkenntnisse ziehst du aus der vergangenen Saison? Kommen nach grossen Erfolgen im Sport immer auch Phasen mit durchzogenen Leistungen?
Patrick Egger: Diese Saison war etwas ganz Neues für uns. Bis jetzt haben wir uns durch unglaubliche Konstanz ausgezeichnet. Dieses Jahr waren die Schwankungen das Markenzeichen von HK - glücklicherweise auch nach oben! Es wurde uns von vielen Seiten eine schwierige Saison vorausgesagt. Im Nachhinein kam es nicht ganz so schlimm raus - aber wir hatten mehr erwartet, weil auch unsere Ansprüche gestiegen sind.
Das Turnier in Kapstadt hätte ursprünglich im März dieses Jahres stattfinden sollen, wurde dann aber sehr kurzfristig verschoben. Die Saison wurde dadurch viel länger als geplant. Heuscher und Kobel haben auch ohne eine Teilnahme beim Saisonabschluss in Südafrika gute Chancen die Saison auf dem ausgezeichneten 5. Platz der Weltrangliste zu beenden.
Wie sieht deine Zukunft als Trainer von HK aus? Was reizt dich am Trainerjob? Gibt es einen grossen Plan, der bis ins Jahr 2008 nach Peking führt?
Patrick Egger: Nach dieser Saison mussten wir ganz klar über die Bücher und als Erstes musste ich meine Rolle im Team in Frage stellen! Kann ich HK wirklich noch weiter bringen? Nach einem längeren Gespräch kamen wir zum Schluss, dass es einen gemeinsamen Weg gibt - eventuell bis Peking! Das wäre natürlich nochmals das Höchste auch für einen Trainer.
2004 Athen. Ein Sommerabend. Ihr spielt in vollem Stadium gegen Australien um Bronze. Die Schweiz fiebert mit. Es ist unglaublich spannend. Niemand, der das Spiel gesehen hat, wird es je wieder vergessen. Ihr gewinnt, sinkt in die Knie, es ist geschafft, schreit eure Freude in die Athener Sommernacht, Schweizer Fahnen, alle sind unbeschreiblich Stolz und freuen sich mit euch. Wie haben diese Athener Momente euer Leben sportlich in der vergangenen Saison, wie privat beeinflusst?
Stefan Kobel: Sportlich hätte ich diese Saison gerne an die Erfolge von 2004 angeknüpft. Das ist aber nicht ganz gelungen. Ich hatte eigentlich sehr viel von mir erwartet. Vielleicht sogar etwas zu viel. Nach der enttäuschenden WM hatte ich dann ziemliche Motivationsprobleme! Privat ist alles beim alten geblieben. Meine Freunde sind dieselben wie vorher und auch meinem bisherigen Lebensstil bin ich treu geblieben.
Patrick Heuscher: Sportlich war es sicher schwierig eine Saison wie die letzte zu toppen. Wir haben fast ein ganzes Jahr lang an unserem Leistungsmaximum gespielt. Die Erwartungen von uns, aber auch von allen anderen waren riesig. Wenn mir aber jemand anfangs Jahr gesagt hätte, ihr könnt ein Grand Slam Turnier gewinnen, werdet Vize-Europameister und Schweizermeister, dann hätte ich ja gerne gesagt. So gut wie in Paris haben wir vielleicht noch gar nie gespielt in unserer mittlerweile doch sehr langen Karriere.
Hat euch Athen "reich" gemacht? "Lohnt" es sich, in der Schweiz Spitzensportler zu sein?
Stefan Kobel: Dank unseren treuen Sponsoren konnten wir schon die Jahre vor den Spielen in Athen gut von unserem Sport leben. Athen hat uns nicht unbedingt reich, sondern uns und unsere Sportart noch bekannter gemacht.
Patrick Heuscher: Es lohnte sich ganz bestimmt für eine olympische Medaille alles zu investieren. Auch ohne einen Rappen zu verdienen, hätte ich in den vier Jahren vor Athen alles genau gleich gemacht. Es ist ein so gewaltiges Erlebnis, das durch Geld nicht aufgewertet werden kann.
Ganz viele Sportler haben leider in der Schweiz nicht die Unterstützung, die sie eigentlich verdient hätten. Viele müssen sich mit Neben oder Teilzeitjobs über Wasser halten und sich gleichzeitig mit Athleten messen, die zu 100% Sportler sind, das finde ich sehr unfair.
Mariano Baracetti und Martin Conde (Arg) wurden 2001 in Klagenfurt überraschend Weltmeister, an der Weltmeisterschaft zwei Jahre später in Rio und auch an den Olympischen Spielen von Athen 2004, konnten sie keine Medaille mehr erreichen. Wie vergänglich ist Erfolg? Was ist die Schwierigkeit, sportlich konstant auf höchstem Niveau zu bleiben, der physische, der mentale, der technischtaktische, der finanzielle oder der organisatorische Aspekt?
Stefan Kobel: Zum Glück wissen nicht alle Athleten die richtige Antwort auf diese Frage, weil ja sonst immer die gleichen Teams bis zu ihrem Abgang an der Spitze stünden. Sportlicher Erfolg ist ein sehr komplexes Puzzle, wo vieles zusammenstimmen muss. Wir stehen nun seit 5 Jahren in den Top 10 der Weltrangliste. Das heisst, dass unser Puzzle gar nicht so schlecht aufgebaut ist. Alle genannten Aspekte müssen aber laufend kontrolliert und optimiert werden, damit man konkurrenzfähig bleibt.
Patrick Egger: Baracetti/Conde waren wirklich Überraschungsweltmeister. Ihr Spiel war zu dieser Zeit einfach genial, doch ihre Art zu spielen war bereits am "Aussterben". Die "neue Generation" spielt mit viel mehr Power. HK gehört zu dieser neuen Generation und solange wir wirklich ganz gezielt und konsequent Arbeiten werden wir auch Erfolg haben!
Ist das Leistungsniveau auf der FIVB World Tour 2005 angestiegen? Es sieht so aus, als wenn beinah jeder jeden schlagen kann. Spielt die Tagesform eine so entscheidende Rolle und warum sind die Brasilianer so konstant erfolgreich?
Stefan Kobel: Ja, die WT und die Spieler, die mitspielen, werden von Jahr zu Jahr professioneller. Die eigentlich erst 15 bis 20 jährige Sportart entwickelt sich enorm. Vor allem bei den Männern geht wirklich die Post ab. Es gibt immer mehr Preisgelder, mehr Turniere, mehr Zuschauer, mehr Medieninteresse usw. Mittlerweile gibt es sicher 15 Teams, die ein World Tour Turnier gewinnen können. Die Tagesform spielt natürlich immer eine Rolle aber noch entscheidender ist, welche Turniere in der Trainingsplanung der Teams erste Priorität haben. Es geht einfach nicht, dass man acht Monate lang sein bestes Beachvolleyball spielen kann. Die Brasilianer haben zur Zeit die drei besten Teams der Welt und ein riesiges Potenzial an Spielern auf der eigenen Brasilianischen Tour. Ich glaube nicht, dass die Erfolge der Brasilianer so schnell zu Ende gehen.
Patrick Heuscher: Die Brasilianer sind sicher körperlich und technisch an der Spitze. Der interne Konkurrenzkampf hilft sicher, ein extrem hohes Niveau hervorzubringen. Der Konkurrenzkampf zwischen den drei Schweizer Teams und die Begrenzung für die Olympiade auf zwei Teams hatte sicher auch eine Leistungssteigerung innerhalb der Schweiz zu Folge.
Patrick Egger: Bei den Männern ist die Leistungsdichte eindeutig grösser geworden.
Die Brasilianer haben momentan eine unglaubliche Symbiose zwischen dem "brasilianischen Ballzauber" und dem "europäischen Powervolleyball" gefunden. Für uns heisst das, wir müssen nachziehen! Noch mehr Power, aber auch etwas Zauber!
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Patrick Egger, kannst Du ohne zu viele Geheimnisse preisgeben zu müssen, sagen, in welchen Punkten die HeuscherKobel Fortschritte machen müssen, um die Nummer 1 der Welt zu werden? Wie entwickelt sich das Spiel, gibt es technische oder taktische Entwicklungen, denen man folgen muss?
Patrick Egger: Noch mehr Power, aber auch etwas Zauber! Die Entwicklung geht klar in Richtung Power. Ohne ein aggressives Sideout- und Servicespiel gepaart mit einem wirklich guten Block kommt man nicht an die Spitze. Für uns heisst das, dass wir wieder konstanter im Sideout werden müssen und gleichzeitig im Service mehr Druck entwickeln!
Es gibt in der Schweiz keine zu 100% angestellten Beachvolleyball-Trainer. Ich stelle mir vor, Köbi Kuhn würde neben seinem Amt noch etwas anderes arbeiten. (Patrick Egger ist an der Pädagogischen Hochschule St. Gallen stark engagiert.) Sind Fussballer unselbständiger?
Patrick Heuscher: Ich glaube schon, dass die Entwicklung der letzten Jahre von keinem Trainer zu Teilzeittrainern weitergehen wird. Ein guter Trainer ist immer ein Vorteil.
Patrick Egger: Diese Art von Zusammenarbeit, die wir haben ist schon etwas Spezielles und würde mit Fussballern nie klappen. Ich will eine gewisse Eigenverantwortlichkeit der Spieler sie müssen ja auch im Spiel alleine zurechtkommen. Aber es wäre für HK sicher viel einfacher, wenn ich mehr zur Verfügung stehen könnte!
Schauen wir auf die andern Schweizer Teams. Es gab nach Athen den Moment, in dem unklar war, ob HK weiter zusammen spielen. Lacigas haben sich getrennt, es sind zwei neue Teams entstanden (Heyer / Laciga bzw. Egger / Laciga). Ihr seid zum vierten Mal in Folge Schweizer Meister geworden, also die Nr. 1 im Land in der Weltrangliste seid ihr dafür knapp hinter Egger / Laciga und vor Heyer / Laciga. Wie beurteilt ihr die Saison der beiden andern Schweizer Top - Teams? Wie beurteilt ihr euren Entscheid, weiter zusammenzuspielen.
Stefan Kobel: Die neuen Teams haben etwa das gezeigt, was ich von ihnen erwartet habe. Martin und Markus sind ein stabiles, sehr starkes Team geworden. Sie haben eine super Saison gespielt und verstehen sich im Team ausgezeichnet. Paul und Sascha sind immer für ein Spitzenresultat gut, dafür wegen ihrem Alter eher anfällig für Verletzungen. Ich rechne mir mit Patrick die grössten Chancen auf drei weitere erfolgreiche Beachsaisons aus.
Patrick Heuscher: Die Saison war nicht überragend, wir sind aber daran wieder alles zu machen, damit wir in drei Jahren nochmals eine Medaille an den Olympischen Spielen gewinnen. Die Einstellung bei uns beiden stimmt zu 100%, und wir haben auch gezeigt, dass wir sehr gezielt und erfolgreich auf etwas hinarbeiten können.
Ihr spielt seit 1998 auf der FIVB World Tour, das war eure achte gemeinsame, Saison. Welches waren die schönsten, wichtigsten, schwierigsten Momente in der vergangenen Saison?
Stefan Kobel: Schwierig war sicher mit der Enttäuschung der WM umzugehen. Wichtig war für mich die Unterstützung von Patrick und Pat nach dem verschenkten EM Titel zu spüren. In Paris auf dem obersten Treppchen zu stehen war wohl der schönste Moment in der Saison 05.
Patrick Heuscher: Die WM war die grösste Enttäuschung seit wir zusammen spielen. Es war das erste Mal, dass wir uns so tief unter unserem Wert verkauft haben. Bis anhin und auch danach haben wir bei unseren Saisonhöhenpunkten immer an unserem eigenen Leistungsmaximum gespielt. Wenn wir unser bestes Volleyball spielen und verlieren, dann ist alles ok. Damit muss man als Sportler umgehen können. Wenn man aber selber schlecht spielt, dann ist das doch sehr unbefriedigend. Der schönste Moment war sicher der Grand Slam Sieg in Paris. Da haben wir richtig gut gespielt und auch knappe Spiele noch für uns entscheiden können.
Brauchen Spitzensportler Unterstützung? Unterstützung in welcher Form? Von Familie, Freunden, von denen, die ihr liebt? Wie wichtig ist der Einfluss der Medien für euch?
Stefan Kobel: Unterstützung gibt mir Kraft und die Gewissheit, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Mein privates Umfeld gibt mir diese Gewissheit. Die Teilnahme von anderen Menschen an unseren Siegen und Niederlagen gibt der ganzen Sache doch erst den richtigen Sinn. Die Medien sind dabei der Pfeffer in der Suppe.
Patrick Heuscher: Ich brauche sicher eine mentale Unterstützung von Seiten Familie und Freundin, damit ich überhaupt die Kraft für eine ganze Saison aufbringe. Daneben ist es für uns aber ganz zentral, dass wir vor allem während der Saison ungestört Sport machen können. Unterstützung im organisatorischen Bereich ist da ganz wichtig.
Roger Federer hat jetzt auch einen Fanklub. Ihr hattet vor ihm einen. Wie wichtig sind euch eure Fans?
Stefan Kobel: Unsere Fans sind Menschen, die eine ganz spezielle Teilnahme an unserem Team zeigen. Viele von ihnen sind Mittlerweile gute Freunde, andere kenne ich kaum. Alle haben aber eines gemeinsam: Sie treiben uns an und geben uns Energie für die Spiele! Sie sind der dritte Mann im Sand.
Patrick Heuscher: Ich fühle mich noch heute seltsam, wenn jemand Fan von mir ist. Die Unterstützung während des Spiels merke ich aber schon und sie tut extrem gut.
Kaum ist diese Saison abgeschlossen, geht die Planung für 2006 los. Könnt ihr oder müsst ihr euch damit schon auseinandersetzen oder wie wichtig ist eine mentale Ruhepause?
Stefan Kobel: Für unser Team beginnt 2006 das Olympiaprojekt 2008. Dieses Projekt sauber aufzugleisen gibt jetzt schon ziemlich viel Arbeit. Gerade weil auch im Teamumfeld einige Wechsel stattfinden. Ich werde mir aber sicher die nötige Ruhepause noch nehmen. Am besten finde ich sie in den Bergen, im Schnee oder auf dem Bike!
Patrick Heuscher: Für mich ist wichtig, dass wir die Saison 06 sauber planen. Danach werde ich mir sicher etwas Ruhe gönnen.
Patrick Egger: Jetzt ist es sehr wichtig eine längere Pause einzuschalten. Die Saison war lange und insgesamt doch auch sehr erfolgreich.
Jetzt kommt dann 2006, dann 2007, dann Peking. Was löst das Wort Peking bei euch aus, wenn ihr es hört oder lest?
Stefan Kobel: Nach den Erlebnissen in Athen, weiss ich nun ziemlich genau, was ein solches Ziel alles beinhaltet. Auf Athen hin hatte ich nur eine schwammige Vorstellung, was es heisst, mit dabei zu sein. Auf dem Weg nach Peking werde ich mir die schönsten Bilder von Athen immer wieder in Erinnerung rufen, dann wird es wohl nicht sehr schwierig werden, mich voll zu motivieren.
Patrick Heuscher: Olympia ist das grosse Ziel, auf das es sicher immer lohnt, ganz viel zu investieren.
Wie sehen die kommenden Wochen für euch aus? Worauf freut ihr euch am meisten in der Nichtwettkampfzeit?
Stefan Kobel: Ich werde meine kleine Teilzeitstelle an der Sportlehrerausbildung der ETH Zürich wieder antreten und an drei bis vier Referaten und Podiumsgesprächen teilnehmen. Daneben werde ich mich polysportiv fit halten (Tennis, Badminton, Biken, Fussball, Indoorvolleyball). Der offizielle Trainingsbeginn für die Saison 06 wird dann irgendwann im Januar sein. Am meisten freue ich mich, im eigenen Bett zu schlafen und nicht jede Woche die Koffer wieder packen zu müssen.
Patrick Heuscher: Ich freue mich sehr darauf, dass ich viel mehr Polysportives machen kann als den Sommer durch. Ich freue mich in die Berge gehen zu können. Freue mich auf die Kälte, den Schnee und sorglose Nächte in einer Berghütte.
Vielen Dank für das Gespräch.
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